Was macht der ERG´ler im Urlaub, wenn er von der Premiere einer Radveranstaltung hört…?

„Teilnehmen!“, dachte sich Björn und hat einen Bericht im Gepäck:

Dieses Jahr habe ich meinen Urlaub mit der Verlobten im herrlichen Kärnten verbracht. Geplant war auf jeden Fall ein Ausflug mit dem Rennrad auf die Gerlitzen Alpenstrasse, das war auch der „Hausberg“ vom Campingplatz. Und eine Befahrung der Nockalmstrasse. Leider machte mir das Wetter und vor allem die Gesundheit anfangs ein Strich durch die Rechnung. Nach dem der Husten und Schnupfen sich etwas gebessert hatten und das Wetter sich ebenfalls der positiven Tendenz anschloss, machte ich mich daran meine beiden geplanten Ausfahrten auf jeden Fall durchzuziehen. Bei einem Besuch des Touristikbüros fiel mein Augenmerk allerdings sofort auf ein bestimmtes Plakat: 1. ALPE ADRIA Bike Festival! 

Wow das hört sich doch gut an und für jeden war etwas geboten. Eine MTB Tour mit 75 km, ein MTB Marathon mit 100km und der Giro für die Rennradler mit 160 km! Und natürlich das übliche Drumherum (Trial Show, Kinderrennen, Radmesse, usw.). Das alles im Dreiländereck Österreich, Italien und Slowenien. Also schnell informiert ob eine Teilnahme noch möglich ist. Per eMail kam dann recht flott die Antwort: Ja klar, fahr doch mit wir freuen uns auf Dich. Super! Die Zweifel ob ich das mit immer noch leicht angechlagener Gesundheit schaffe, verflogen dann nach dem Ritt auf der Nockalmstrasse. Auch den vielen Sonntagsausfahrten und Trainings mit den ERG´lern sei dank, das ich zumindest wusste: Schaffen könnte ich das schon.

Tag X: Der Wecker schellt m 6:30 Uhr (gibt doch nix schöneres im Urlaub, als den Tag früh zu beginnen…). Da ich Startunterlagen und Transponder schon am Vortag abgeholt und alles montiert und die Klamotten vorbereitet hatte, konnte ich dann in Ruhe frühstücken und mich frisch machen. Die Sonne schien und es kündigte sich ein toller Renntag an. Zumal es der letzte Tag für uns Österreich war, ein tolles Highlight zum Schluss, hoffte ich.
In Villach auf dem Hauptplatz waren schon die Fahrer größtenteils versammelt und sortierten sich ins Starterfeld ein. Eine tolle Mischung aus Österreichern, Slowenen, Italiern und auch ein paar Deutschen. Die Stimmung war toll im recht übersichtlichen Feld von ca. 500 Teilnehmern. Paco Wrolich sprach auch noch ein paar Worte als Race Director, dann erfolgte die Segnung des Feldes durch den örtlichen Pfarrer und dann sollte es losgehen- die ersten 5km neutralisiert angeführt vom Führungsfahrzeug- das erst mal abgewürgt wurde… offenbar bin nicht nur ich beim Start nervös. Als es dann doch losgeht reihe ich mich erst mal relativ weit hinten ein und schaue mir an was so geht. Und wie das immer so ist, selbst bei einem neutralisierten Start zerlegen sich schon die ersten und scheiden aus. Dann gibt das Führungsfahrzeug die Strecke frei. In der Mitte des Feldes wird jedoch sehr diszipliniert gefahren und das Tempo gar nicht so arg verschärft. Alle wissen, dass der Tag noch recht lang werden kann. Wir fahren mit recht gutem Tempo (35-40kmh) über die Bundesstrasse nach Tarvisio ein. Ein netter kleiner italienischer Ort, angesichts der relativ frühen Uhrzeit jedoch noch nicht so viel los am Streckenrand. Meine italienischen Begleiter sind etwas erbost und enttäuscht über die mäßige Stimmung hier.

Egal, es geht weiter… und wie! Wir fahren direkt an den Massiven der Karawanken entlang ein wirklich fantastischer Ausblick bei klarem Wetter. „Spectacolo!“ ruft mein italienischer Begleiter aus und zeigt auf die fantastische Bergwelt. Recht hat er! Mit gutem Tempo und guter Laune geht es weiter…allerdings zerfällt jetzt schon die Gruppe immer mehr und ich merke, dass es nicht zu einer richtigen ZUsammenarbeit kommt. Egal, ich beschliesse jetzt mein Tempo zu fahren und mir den Giro gut einzuteilen.

Als ich die Grenze zu Slowenien passiere staune ich nicht schlecht über die Volksfeststimmung am Grenzüergang. Leute klatschen und feiern jeder wird bejubelt und der erste Anstieg zum Predil beginnt. Es ist ein recht angenehmer und leichter Anstieg, sehr gut zu fahren und mit rund 400 Höhenmetern Differenz auch noch keine wirkliche Anstrengung. Die Abfahrt ist der Hammer! Sowohl landschaftlich, als auch von der Strassenführung selbst. Genuss pur!!! In Bovec angekommen nehme ich das erste mal eine der vielen Labestationen in Anspruch- greife mir ein angereichte Flasche und geniesse auch hier die slowenische Feierlaune. Der ganze Ort johlt und jubelt. Herrlich!!! Zwei slowenische Recken mit denen ich die Abfahrt genossen habe, begrüssen erst mal ihre Familien und lassen sich feiern. Weiter geht es durch das Soca Tal. Es ist nicht umsonst ein Nationalpark. Der Ausblick hier ist unbeschreiblich und es fällt mir wirklich schwer das in Worte zu fassen. Man fährt durch ein Tal direkt neben dem beeindruckenden Massiv der Karawanken. Die eigene Anstrengung verfliegt bei der Schönheit des Tales und auch diese riesigen Berge lassen die eigene Anstrengung winzig erscheinen. Mittlerweile ist es Mittag und die Sonne brennt jetzt ordentlich. Gleichzeitig erfüllt sich die Luft mit herrlichem Kieferduft. Nach dem das Tal durchfahren ist wartet die Herausforderung des Giro. Der Vrsic. Unerbittlich schraubt er sich in die Höhe mit Steigungen zwischen 10-14% und einem Höhenunterschied von rund 1200 Höhenmetern. Ab hier wird es ernst. Wer vorher zuviel Körner verschossen hat wird von diesem Pass wirklich abgestraft. Die Sonne steht voll auf der Strasse und macht doch vielen zu schaffen. Jeder Schattenfleck wird angesteuert. Ausser dem gleichmäßigen Surren der Ketten und dem angestregtem Atmen der tapferen Recken ist nichts zu hören. Als die letzten Kilometer anbrechen, steigen immer häufiger Leute ab und schieben oder setzen sich in die wenigen Schattenflecke. Leider übernimmt sich auch der eine oder andere, was zu unschönen Szenen führt. Die letzten drei Kilometer werden auch für mich langsam sehr hart, gerde der vorletzte setzt nochmal alles daran den Willen zu brechen und ich habe das Gefühl in eine Wand zu fahren.

Geschafft! Oben! Langsam aber stetig habe ich mich hochgearbeitet. Die Freude ist groß und auch die der Leute auf der Passhöhe. Über wirklich jeden Ankömmling. Ich nehme mir eine kalte Flasche und gönne mir eine kurze Erholungspause und trinke in Ruhe, fülle meine Flaschen auf und geniesse kurz die fantastische Aussicht. Abfahrt! Die Abfahrt ist sehr interessant. Denn die Serpentinen sind mit Kopfsteinpflaster!!! Für mich eine völlig neue Erfahrung. Da ich jetzt keinen Sturz oder einen Platten riskieren will, bremse ich lieber ordentlich in die Serpentinen ein und fahre das Kopfsteinpflaster mit gegebener Vorsicht.

Unten und alles in Ordnung. Doch jetzt eine neues Problem. Ich bin alleine und habe noch über 50km vor mir. Zwar geht es immer leicht bergab, aber jetzt wäre eine Gruppe doch schön. Doch niemand in Sicht. Die letzten 50km sollen wohl zu einem Solritt werden. Die Ausfahrten mit Micha, Volker und Co. haben deutlich Spuren (im positiven Sinne, Jungs!) hinterlassen und so gelingt es mir das Tempo auf teils abgesperrten Radwegen und Bundesstrassen immer hoch zu halten. An vielen Solisten und Duos „rase“ ich vorbei. 10 km vor dem Ziel schliesst noch eine fünfköpfige Gruppe zu mir auf. Ich hänge mich rein und geniesse die letzten Kilometer und freue mich diesen Giro gemeistert zu haben. Bei der Zieldurchfahrt kriege ich das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, denn ich habe nicht einmal ans Aufgeben gedacht und sogar fast mein Ziel von 6 Stunden reiner Fahrzeit erreicht. Nach 6:24:18 (reine Fahrzeit 6:16:29 lt. Garmin) erreiche ich also wieder Villach und bleohne mich abends mit Kasnudeln und Eispalatschinken.

Die Strecke nochmal in bewegten Bildern:

 

Ein Gedanke zu „Was macht der ERG´ler im Urlaub, wenn er von der Premiere einer Radveranstaltung hört…?

  1. Toller Bericht. Die Karawanken und die Gegend kenne ich gut – leider noch nicht mit dem Rad dorthin geschafft. Aber das Rennen hört sich echt gut an!

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