Burning Roads – mein erster Radmarathon

Für den 18.06. hatte ich mir meinen ersten Marathon vorgenommen, letztes Jahr, schon im Sommer. Auf einer langweiligen Fährfahrt war mir der Pin in den Kopf gekommen, doch mal mehr als 200 km fahren zu wollen. Für „Burning Roads“ hatte ich mich schon letzten Herbst angemeldet, einfach um keine Ausflüchte zu haben; Samstag war es dann so weit.

Früh aufstehen war Pflicht, für uns „Kleinen“ der 200er Runde war um acht Uhr Start. Auf der Autobahn nach Ochtrup hatte ich schon den „Was mache ich hier eigentlich?!“-Moment für den Tag, denn es hat ordentlich geschüttet auf dem Weg und der Gedanke an 200 km bei strömendem Regen hat mich nicht sehr froh gestimmt.

Bei der Ankunft war aber keine Rede mehr von Regen, bewölkt ja, feuchter Boden auch, aber nichts mehr von oben. Freundlich eingecheckt worden, Essens-Chip entgegen genommen, umgezogen, mich und Rad fertig gemacht, ’nen Happen gefrühstückt und auf „meinen“ Start gewartet. Es wurde in 10er-Gruppen Brevet-mäßig gestartet, zuerst die langsamsten, dann immer schnellere. Ich hatte 22km/h als Durchschnitt angegeben und war in der dritten Gruppe um 08:10 Uhr. Fast noch meinen Start verquatscht mit denen von 08:20 Uhr, schnell bei 08:10 Uhr eingereiht und los ging’s.

Auf den ersten Kilometern haben sie alle zünftig Gas gegeben für 22 km/h Durchschnitt, ich dachte mir, dass die bestimmt gleich runterkommen würden mit der Geschwindigkeit, aber Pustekuchen, wir hatten durchgehend so 30km/h auf dem Tacho. Relativ schnell stellte sich heraus, dass sich einer (Benne) zum Rudelführer gemacht hatte, immer vorneweg fuhr, klare Ansagen machte und sich auch mal zurückfallen ließ, um zu fragen, ob das Tempo „für hinten“ auch in Ordnung sei. Ich dachte mir: „hier bleib ich dran, mal sehen, wie weit ich das durchstehen kann“. Durch die Plauderei mit den Kollegen verging die Zeit wie im Flug, zack war die erste Verpflegung bei km 47 erreicht, keine Zeit, über „mitkommen“ nachzudenken.

Hier an der Verpflegungsstation erwarteten uns Käse- und Salamibrötchen, Kuchen, Riegel, Bananen und Erfrischungsgetränke. Viel Zeit zum Verweilen war nicht, ich hatte gerade mein Brötchen heruntergeschluckt, da rief Benne schon zum Aufbruch: „Gruppe 08:10 Uhr aufstellen zu Abfahrt“, denn die nächsten zwei Gruppen kamen gerade an und es war nicht genug Platz für alle an der Verpflegungsstation. Sehr gut, keine Zeit zum Nachdenken, mit der Gruppe mitfahren, mindestens bis zum Mittag.

Der weitere Weg bis zur Mittagspause verlief, bis auf einen kleinen Stunt meinerseits, recht unspektakulär, immerzu Radfahren halt. Bei einer Engstelle mit Gegenverkehr habe ich dann feste gebremst, so fest, dass das Hinterrad blockierte und anfing, mich links zu überholen. Ich habe ausgeglichen, dann kam es rechts an mir vorbei. Das konnte ich alles abfangen, 20 Jahre Motorradfahren müssen ja für etwas gut sein. Es muss aber recht spektakulär ausgesehen haben, die Kollegen hinter mir gaben mir in der Mittagspause gute B-Noten…

Bei km 115 erreichten wir die Mittagsverpflegung, und ich hatte einen 28er Schnitt auf dem Tacho. Wow, wenn mir das einer vorher erzählt hätte, ich hätte kein Wort geglaubt. Vor allem nicht, dass ich dabei noch nicht tot überm Zaun hänge… Man hatte uns ein Nudelbuffet organisiert, es gab Spaghetti mit Bolo oder mit Gemüsesoße, Salat und Limettenwasser. Was will man mehr? Außerdem gab es noch den üblichen Verpflegungstisch mit Bananen, Riegeln und Softgetränken.

2016-06-18 12.37.41Diese Gruppe wollte ich auch nach dem Mittag nicht verlieren, schon nach 25 Minuten hieß es „Gruppe 08:10 Uhr, aufsitzen!“ Bis hierhin war das Wetter stabil, wir waren den Regenwolken immer auf pitschnassen Straßen hinterher gefahren und haben das aufgewirbelte Waser vom Vordermann im Gesicht ohne Murren hingenommen, es regnete ja nicht! Nun aber, kurz nach der Mittagspause erwischte uns doch noch ein Schauer, kurz nur, aber heftig genug um nochmal anzuhalten und die Regenjacken anzuziehen. Und nur, damit wir nicht sagen konnten, es habe nicht geregnet. Natürlich, wie immer, kaum hatte es aufgehört, kam die Sonne raus und wir mussten nochmal anhalten, um die Regensachen wieder auszuziehen.

Den nächsten Stopp machten wir eher unfreiwillig, der einzige Plattfuß hatte unsere Gruppe erwischt. Aber auch da blieb die Gruppe zusammen, bis das behoben war, sehr cool das Ganze! Auch als am letzten und einzigen wirklich fiesen Hügel bei km 195 einige aus der Gruppe abreißen lassen mussten, hat man im nächsten Tal gewartet, bis alle wieder da waren.

Bei km 155 gab es nochmal eine Verpflegung, wir waren dort schon um 15:15 Uhr, für mich beeindruckend, für andere „jetzt nur noch 55 km, ist ja ein Klacks“. Naja für mich nicht, jetzt wurde es tatsächlich anstrengend. Ich bin aber dringeblieben in der Gruppe und: Wir wurden tatsächlich etwas langsamer. Die ständigen „kürzer“-Rufe hat sich Benne irgendwann zu Herzen genommen, am Ende kam ein Schnitt von über 27km/h raus, als wir nach 7h45 wieder auf den Hof rollten.

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Auch wenn alles so routiniert und unaufgeregt wirkte, bei der Ankunft gab es doch einen kleinen feierlichen Moment, als sich alle abklatschten und beglückwünschten. Nee, ich hab echt Glück gehabt mit meiner Startgruppe. Es gab keine Faxenmacher und keine Extratouren, alle waren sehr diszipliniert. Sowas kenne ich sonst nicht, dass so eine Gruppe den ganzen Tag zusammenbleibt und dabei auch so gut harmoniert.

Wenn ich mich daran erinnere, wie ich letzten Sommer bei der Ausfahrt mit den ERG-Kollegen bei nur 125 km gelitten habe und echt nicht mehr konnte, sehe ich einen kleinen Trainingsfortschritt. Ich selber hatte den meisten Spaß daran, dass ich die Antritte nach den Kreuzungen bis zum Schluss alle mitgegangen bin; daran war damals™ überhaupt nicht mehr zu denken. Was so ein strukturiertes Training doch ausmachen kann, Danke an Ela dafür!

Danke auch an die „Gruppe 08:10 Uhr“, ihr wart großartig! Ohne Euch und Euren Windschatten hätte ich es niemals so gut geschafft, die Stimmung war immer ausgezeichnet (La Ola!) und mit dem Gequatsche habt Ihr mir echt schön die Zeit verkürzt! Es macht viel Spaß, mit routinierten Radfahren unterwegs zu sein, die jeden Dreck anzeigen und klare Ansagen machen.

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Danke an Benne der sich als Rottenführer zur Verfügung gestellt hat, immer vorne gefahren ist, gute Stimmung verbreitet hat und auch mal hinten nach dem Rechten gesehen hat.

Danke auch an die Orga von Burning Roads Radmarathon Ochtrup, Ihr habt das super gemacht, schöne Strecke ausgesucht, die richtige Verpflegung im schnellen Zugriff bereitgestellt, wie es der Radfahrer gerne hat. Genug zu essen, genug zu trinken, ein gut funktionierender Track (okay, den 6km vor dem Ziel enden zu lassen, nehme ich mal als Scherz), alles wie es sein soll. Einziger Verbesserungsvorschlag wäre eine Kiste Schokoriegel bei der Kaffeepause.Aber sonst? Alles top!

Dafür habe ich 35 EUR bezahlt. Davon gehen die Überschüsse dann noch als Charity an „Roter Keil„, ein Aktionsbündnis gegen Kinderprostitution. Deswegen ist auch Fabian Wegmann mit auf unserem Gruppenfoto, Fabian ist Botschafter für Roter Keil und hat sein Gesicht gern für die gute Sache gezeigt.

Wenn ich mich an die Veranstaltung vor 5 Wochen erinnere, würde ich sagen: Ganz andere Liga und zwar die Liga, die gefällt.

Wenn das jetzt immer so super läuft auf den Strecken über 200km, ich bin dabei!

Strava – or it din’t happen

2 Gedanken zu „Burning Roads – mein erster Radmarathon

  1. Maik, erstmal Glückwunsch zu deiner Leistung am Samstag! Und dann herzlichen Dank für diesen tollen Bericht. Ich kann alles davon 1:1 nachvollziehen und mir macht er richtig Lust aufs Radfahren! Wir sehen uns im nächsten Jahr hoffentlich wieder.

  2. Hi, Maik.
    Super Bericht von dir, es hat Spaß gemacht diesen zu lesen. Für mich war es auch der erste Marathon und ich hatte mit der „Gruppe 8:10 Uhr“ genau die richtige Gruppe erwischt. Für mich war diese Tour ein Höhepunkt in diesem Jahr den ich nicht so schnell vergessen werde.
    Denke ich werde im nächsten Jahr wieder in Ochtrup an den Start gehen. evtl. sehen wir uns ja, bis dahin gibt es ja Strava …
    Bon tour
    taataahi

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