Was schenkt man einem Radsportler zum 60. Geburtstag?

Das fragten sich Rolf’s Freunde vor mehr als einem Jahr und ahnten im Mai 2012 noch nicht, dass der 25.8.2013 für den Senior Rolf zum Festtag wurde.
Lest seinen Bericht.

Die Vattenfall Cyclassics Hamburg hatte ich bis Mai 2012 garnicht auf dem Schirm. Nachdem ich den Skoda Velothon Berlin schon drei mal gefahren war stand fest: den fährst du auch 2012 wieder. Und 2013 als Youngster in der Senioren 4 Klasse sowieso. Da wollte ich sehen, wie weit ich in der AK Wertung noch nach vorne kommen kann. Die Top 30 hatte ich angepeilt.
Dann geschah es, zum 60. bekam ich einen Freifahrtschein für die Vattenfall Cyclassics 2013 in Hamburg geschenkt. Da lag aber noch ein Rennen dazwischen. Und damit eine Chance mir schon mal einen besseren Startplatz für 2013 zu erarbeiten.
Lange suchte ich dann im Sommer 2012 nach einem Partner, der mit mir nach Hamburg fährt. Aussichtslos. Und so saß ich 3 Tage vor dem Rennen   ohne Startplatz Zuhause und hielt es vor Ungeduld nicht mehr aus. Ermutigt durch Gabriele setzte ich mich an den PC. Startplätze gab es auch nach Meldeschluss noch in der Tauschbörse. Aber Hotelzimmer, keine Chance. So erschien es mir wie ein sechster im Lotto, als ich keine 48 Stunden vor dem Rennen einem  erkrankten Fahrer den Startplatz samt Hotelübernachtung abkaufen konnte. Dadurch, dass er schon mal einen 35 Schnitt vorgelegt hatte, brauchte ich mich auch nicht ganz Hinten einreihen, sondern stand in seinem Startblock P. Wohlgemerkt: P.
Doch dann kam es. Der heißeste Tag des Jahres war angekündigt. Morgens am Start zeigte das Thermometer schon 36 Grad und im Tagesverlauf sollten es 42 werden. Dann der Startschuss. Auf den ersten km dachte ich ich wäre auf einer RTF gelandet und überlegte schon, ob ich meine Wertungskarte dabei habe. Von Rennen keine Spur. Niemand, der die Initiative ergriff und schnell begriff ich, dass ich von meinem 39er Schnitt, den ich in Berlin vorgelegt hatte, verabschieden konnte. Hinzu kam, dass ich mich zwar auf das Streckenprofil vorbereitet hatte und wusste, wo die wenigen Steigungen sind, aber das wellige Profil hatte ich vollkommen falsch eingeschätzt. 750 Höhenmeter müssen ja auch irgend wo her kommen. Die Gruppen  in meinem hinteren Startblock fielen immer wieder auseinander oder ich verlor meine Gruppe. Zeitweise hatte ich den Eindruck, ich bin beim Einzelzeitfahren. Die Hitze machte allen zu schaffen. Trotzdem, bei der grandiosen Kulisse im Ziel auf der Mönkebergstrasse mit dem ohrenbetäubenden Lärm ruhig ausrollen geht garnicht. Also gab ich noch mal alles und am Ende kam ein 37er Schnitt dabei heraus.
37er Schnitt, hört sich nicht so toll an, aber erhöhte dann auch die Spannung, in welchem Block ich damit wohl in diesem Jahr landen würde. Gespannt starrte ich dann am 24.8.2013 bei der Nummernausgabe auf die Startnummer.  Fünf Startblöcke nach vorne hatte ich mir durch den spontanen Einsatz im vergangenen Jahr erarbeitet. Gleich nach dem Start war klar: Startblock K ist mein Block, das ist mein Tempo, hier gehörte ich hin. Ich fühlte mich gut. Und meine Rippenprellung, die ich mir noch bei einem Sturz auf der letzten Vorbereitungsrunde am Donnerstag zugezogen hatte, beeinträchtigte mich (noch) nicht all zu sehr.
Gleich auf den ersten 6 km sind die unangenehmsten Streckenpassagen zu überwinden. 200 Meter Paris – Rubaix Feeling und zahlreiche Schienen Überführungen. Kurz darauf der erste Höhepunkt: die Fahrt über die mehr als 60 Meter hohe Köhlbrandbrücke über den Hafen. Schnur gerade geht es hinauf Zum Brückenkopf. Gleich hier merkte ich, dass die Form stimmt und der erste kurze Anstieg, oder besser das Hügelchen, kein wirkliches Problem darstellten. Nach ca. 20 km dann das, was man als Anstieg bezeichnen könnte. Die Cuxhagener Str. , an deren Ende sich dann die Bergwertung anschloss.
Alles kein Problem und ich kam in jeder Gruppe mit den Ersten oben an und konnte mich sogar noch von Gruppe zu Gruppe vorwärts arbeiten. Die Hälfte war geschafft und in dem nachfolgenden welligen Profil gelang es mir immer wieder mich in den Steigungen weiter nach vorne zu positionieren und andere mit zu ziehen. Bekanntlich bin ich ja kein guter Abfahrer, so dass mich die Schnelleren wieder einholten und mich im Flächen dann wieder mitnahmen. Alles lief perfekt und auch in der Schlussphase gab es noch genügend Fahrer, die das Tempo hoch hielten. An dem letzten mini Hügelchen, kurz bevor es erneut über die Kopfsteinpflaster Passage und die Schienen ging, gab ich noch einmal Kniegas. Als ich mich umdrehte war die Gruppe 20-30 Meter hinter mir. Nur noch ein Fahrer vor mir. Gleich im Flächen angekommen dreht sich der Kollege um und sagt grinsend:“so, Du kannst auch mal was tun für Dein Geld“ und es kommt was kommen musste, er geht raus und ich stehe bei Tempo 45 voll im Wind (im gefühlten Sturm). Irgend wer musste mir ja zeigen wo die Grenzen sind. Keine 100 Meter später merke ich, dass ich das Tempo nicht halten kann. Raus aus dem Wind und……….. es ist so weit 15 – 20 Leute gehen vorbei und reichen mich nach Hinten durch. Es dauert eine Weile, bis ich das Tempo wieder habe und eine geeignete Lücke finde. Wenn für sollche Aktionen Zeugnisse geschrieben würden, stände dort jetzt vermutlich:“Er hat sich bemüht“.
Erst im Angesicht der Alster trennen, oder „scheiden sich die Geister“. Oder besser gesagt die Ansprüche. Die Einen wollen nur noch ins Ziel rollen und die Anderen lassen sich von der Atmosphäre treiben. Auch ich gebe noch mal alles. Versuche die die Kurven so optimal wie möglich zu nehmen. Bevor ich auf der Zielgeraden noch einmal Alles gebe drehe ich mich um. Ich bin mir bewusst, dass es noch viel Schnellere gibt, Platz machen ist mein Gebot der Fairnis. Auf keinen Fall möchte ich jemanden behindern. Auch nach Vorne sieht es gut aus. Der Lär m und die Kulisse lassen einen glauben, man habe das Rennen gewonnen.Mit wenigen Kollegen geht es über den Zielstrich. Es geht ja um nichts, nicht mal um die goldene Ananas. Wir schauen uns an, beglückwünschen uns gegenseitig. Wann hat man Gelegenheit in so viele glückliche Gesichter zu schauen. Schweiß ist im Gesicht kaum von Freudentränen zu unterscheiden.
Gleich nach dem Ziel und der Transponder Abgabe greife ich zum Handy Und sehe mein Ergebnis. Platz 15 AK von 499 und Platz 1003 Gesamt von 8600.
Zwar hatte ich vom Start weg ein gutes Gefühl, aber so hatte ich mich nicht eingeschätzt.
Es dauert noch lange, bis die Glückshormone verarbeitet sind und sich die geprellte Rippe zurück meldet. Es tut weh!!!!
Bei Allen, die mir Mut gemacht haben, mich unterstützt haben, bei denen, die meine Fahrt auf dem Smartphone verfolgt haben, bei Christian von Bewegungsfelder für die perfekte Vorbereitung möchte ich mich bedanken. Und auch bei den Veranstaltern für die Organisation einer perfekten Veranstaltung und die Gewährleistung eines Höchstmaßes an Sicherheit. Und an Alle Mitstreiter, für die umsichtige und rücksichtsvolle Fahrweise.
Ach ja, Fotos hätte ich auch gerne geliefert. aber in Ermangelung mitgereister Fotografen Fehlanzeige.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Info von Rolf. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

Ein Gedanke zu „Was schenkt man einem Radsportler zum 60. Geburtstag?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.