Münsterlandgiro :: Rennbericht von Jule

Bis zum Morgen war ich immer noch unsicher, ob ich überhaupt starten sollte. Mir war unwohl beim Gedanken an die Geschwindigkeiten und die nervösen Fahrerfelder. Dazu noch Regen. Vielleicht gut, weil alle etwas vorsichtiger fahren oder vielleicht doch eher Mist, weil mit dem Laub die Straßen schön rutschig werden!? Bescheuert, wenn man bedenkt, dass man das ja alles freiwillig macht. Ohne Rennen geht’s nicht und wenn man am Start steht, ist man so aufgeregt, dass man sich wünscht, es sei schon die Ziellinie vor einem und nicht die Startmatte. Vielleicht hat es mir geholfen, dass die Mädels aus dem Nutrixxion-Team ähnliche Gedanken hatten und trotzdem auch im Startblock standen. Ich habe mich so über euch gefreut!!

Dann ging alles ganz flott. Nach dem Startschuss ging es in der Spitzengruppe auf die Strecke, die gefühlt irgendwie dauerhaft leicht anstieg. Im Feld ließ es sich aber super mitrollen. Vor mir sah ich ein paar Mädels. Lena Baisch (Team Drinkuth), Beate Leuchtenberk (Bike-Team Baumberge e. V.) und noch ein paar andere, aber ich weiß nicht wer das alles war. Und ich konnte es auch nicht mehr herausfinden. 25 Minuten nach dem Start explodierten mir die Beine. Einmal brutale Windkante, dann ein leichter Anstieg und schon ist man raus. Spitzengruppe ade! Ätzend wenn der Abstand zur Fahrerwolke langsam wächst und man einfach keine Chance hat, wieder ran zu fahren. Vielleicht wäre ein bisschen Aufwärmen auch nicht schlecht gewesen.

Toll, … Rennen gelaufen. Egal, ich hatte ja eh keine Hoffnung auf die vorderen Plätze nach den letzten Monaten mit viel Bett und wenig Training. Mein einziger Gedanke war, dass ich keine Stürze sehen oder miterleben wollte. Dann kam aber irgendwann eine Truppe von hinten und wir arbeiteten so gut zusammen, dass wir uns wieder heranfahren konnten. Da hat mich dann auch der Ehrgeiz gepackt. Die Spitzengruppe hatte sich wohl in der Zwischenzeit auch ein paar mal geteilt und so arbeiteten wir uns immer weiter vor, bis schließlich auch die Mädels wieder vor uns auftauchten. Da wusste ich, dass ich wieder im Rennen bin. Die Spitzengruppe war weg, aber da konnten auch nicht mehr viele Frauen drin sein. Also beißen!

Hinterräder halten, macht auf regennasser Fahrbahn übrigens nicht so sehr viel Spaß, bei den Geschwindigkeiten. Ist so, als würde einem jemand einen Duschkopf vors Gesicht halten! Das Wasser ist nur leider weder sauber, noch warm!

Mit 6 Frauen fuhren wir vorne im Feld mit. Hinter uns ne Menge Männer. Ich hoffe der Sportograf hat das festgehalten :-D
Je näher wir ans Ziel kamen, desto nervöser wurde die Gruppe. Niemand wollte so recht Tempo machen, aber ein paar Attacken wurden gefahren. Besonders Totti mit seinem Kollegen vom Team Drinkuth hat versucht das Tempo der Gruppe zu forcieren. Ich konnte immer gut mit nach vorne springen, aber die Gruppe blieb schließlich doch zusammen. Die letzten Kilometer wurden wir von starkem Seitenwind begleitet.

Mein linker Oberschenkel war total verkrampft. Ich habe nur noch gebetet, dass schnell das Ziel kommt. Und es kam! Und die Mädels alle noch vorne in der Gruppe. Jetzt wollte ich das Teil auch nach Hause fahren. Ich glaube ich hatte einen Puls von über 200, so aufgeregt war ich.
Die 500 Meter Marke. Rechtskurve. Zielgerade. Die Gänge flogen, man hörte nur noch die Schaltungen knallen. Noch vor der 300-Meter-Marke wurde der Sprint eröffnet. Und ich sprintete als Dritte (hinter zwei Männern und vor den Mädels) über die Ziellinie. Im Sitzen :D. Der linke Oberschenkel war so verkrampft, ich konnte einfach nicht mehr stehen :D
Ich war sooo froh als ich über die Ziellinie gefahren bin, das hätte man in Essen eigentlich noch hören müssen! :D
2. In der Altersklasse und 3. in der Gesamtwertung. Ich bin total überrascht, daran hatte ich nicht geglaubt. Das war ein richtig tolles Finish! Mehr, mehr, mehr!

Jürg fuhr aufs oberste Treppchen und sicherte sich den Sieg in seiner Altersklasse (11. Gesamt) in 2:40:04 Std.!
 Rene wurde 25. in der Altersklasse und 69. in der Gesamtwerung in 2:41:13 Std. und Thomas landete auf dem 54. Platz. Die Zeit fehlt noch. Alle auf der 100km-Strecke. Herzlichen Glückwunsch an euch!! Ich freue mich besonders, dass wir alle gesund sind! :-)

Quelle: jule-radelt.de

3 Gedanken zu „Münsterlandgiro :: Rennbericht von Jule

  1. Toll geschrieben, toll gekämpft, mit Adrenalin pur in den Adern ans Limit gegangen, den Matsch mit vollem Körpereinsatz von der Straße gesammelt und den verdienten Lohn eingefahren. Ich lese da so ganz leise heraus, dass das wohl nicht das letzte Rennradrennen war ;-).

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